THE LIVING STYLE TO CLOTHING

Kenza Drider addresses the media as she demonstrates against the ban of the ‘niqab’ or full-face veil in public places, outside Notre-Dame cathedral on April 11, 2011 in Paris, France. (Photo by Pascal Le Segretain/Getty Images)
Man kann es sich kaum vorstellen, aber bis zum Jahr 2010 mussten Pariser Frauen laut Gesetz eine Genehmigung von der Polizei einholen, um „Männerkleidung“ tragen zu dürfen. Dieses archaische Gesetz wurde 2010 zwar endgültig aufgehoben – und war lange in der Praxis unerheblich – doch weniger als ein Jahr später wurde ein neues Kleidungsverbot eingeführt. Als erstes europäisches Land verbot Frankreich öffentlich das Tragen von Burkas (Gesichtsschleier, den manche Muslime als Bestandteil ihrer Religion ansehen).

Frankreich ist mit dieser Einstellung nicht alleine. Auf der ganzen Welt ist das Verbot dieses Kleidungsstücks momentan en vogue: Belgien und die Niederlande zum Beispiel haben sich Frankreich mit ihrem eigenen Burka-Verbot angeschlossen (doch die Auflösung der holländischen Koalitionsregierung, der auch Geert Wilders rechtsradikale Freiheitspartei angehört, könnte eine Umkehr möglich machen). Etwas subtiler waren da die Usbeken: Sie haben ein mündliches Verbot gegen den Verkauf islamischer Kleidung von Markthändlern erlassen. Somit wurde der Kauf und Verkauf dieser Kleidungsstücke in den Schwarzmarkt getrieben. (Dabei werden Bilder hervorgerufen, wie Markthändler mit Nicken und Zwinkern einer Frau unterm Tisch einen Hijab zuspielen).

Ähnlich sieht es im Kosovo aus, wo der Kopfschleier in staatlichen Schulen verboten ist und im säkularen Tunesien und in der Türkei, wo dieses Verbot in allen öffentlichen Institutionen gilt. In der Türkei bedeutet das laut der New York Times, dass Frauen nicht in Gerichten, Krankenhäusern oder im Parlament arbeiten können. Die selbst von Hochglanzmagazinen und Frauenrechtsaktivisten vertretene Einstellung der Öffentlichkeit befindet sich jedoch im Umbruch. Wie der bereits genannte New York Times Artikel berichtet, wird das Kleidungsstück nicht mehr automatisch mit der sozialen Unterschicht oder weniger gebildeten Menschen assoziiert. Warum ist dieses Kleidungsstück trotzdem weiterhin so umstritten? Von Frankreich bis Tunesien werden oft dieselben Argumente für das Verbot geliefert: Dem Anstieg des islamischen Extremismus müsse Einhalt geboten werden und Frauen müssten befreit werden. Außerdem seien Gesichtsschleier einfach allgemein unpraktisch.

In eine ganz andere Richtung ging das Verbot von Miniröcken, das 2010 im italienischen Ferienort Castellammare di Stabia erlassen wurde. Das Verbot war eine von vielen Maßnahmen, die der Bürgermeister des Ortes gegen „asoziales Verhalten“ einführte. Schließlich würde das Verbot dazu beitragen, „die städtische Anständigkeit wiederherzustellen und ein besseres gesellschaftliches Zusammenleben zu ermöglichen“.

Auch an anderen Orten der Welt wird freizügige Kleidung zunehmend eingeschränkt. Während in der indonesischen Provinz Aceh enge Kleidung verboten wurde, wurde einer vierfachen, 28-jährigen Mutter der Zutritt zu jeder Disko in ihrer Stadt Worcester untersagt. Die Frau sei „zu alt“ für ihre knappe Kleidung. Bei einer europäischen Schachmeisterschaft in der Türkei wiederum durften Frauen keine weiten Ausschnitte tragen. Es gibt also weltweit ähnliche Tendenzen. Jedoch die Definition dessen, was „anständige Kleidung“ ausmacht, ist von Ort zu Ort verschieden. So bekam die sudanesische Journalistin Lubna Ahmed Hussein 2009 eine Haftstrafe von einem Monat. Begründung des Urteils: „ unanständige Kleidung“. Und was war ihr Vergehen? Die Journalistin trug eine Hose.

Falls das Muster, das sich hier abzeichnet noch nicht offensichtlich ist, spreche ich es nun aus: Bei all diesen Verboten geht es um Frauenkleidung! Ob es sich um ein Veto gegen Hosen oder Miniröcke, Kleidung die zu enthüllend oder nicht enthüllend genug ist, dreht, das Ziel dieser Kleiderordnung sind immer Frauen.

Dennoch gelten manche Verbote auch für Männer. So ist in manchen US-amerikanischen Schulen und Gemeinden das Tragen „sackender“ Hosen – die von manchen Männern weit unter der Hüfte getragen werden und somit die Unterwäsche zeigen – verboten. Auch im Iran, wo Frauen gesetzlich verpflichtet sind einen Kopfschleier zu tragen, geht die Regierung bekannterweise gegen das Tragen „zu westlicher“ Kleidung vor. Manchmal sind die Hosen zu eng oder die Jacke zu kurz; oftmals zeigt die Frau zu viel Haar. Als Frau ist es fast unmöglich der Moralpolizei zu entkommen. Um nicht der Diskriminierung beschuldigt zu werden (die iranische Regierung ist da ja nicht so), erklärten die iranischen Behörden 2011, dass glamouröse Frisuren und Halsketten für Männer ein modischer Fauxpas seien.

Währenddessen dürfen Männer in Guyana keine Frauenkleidung tragen. Doch bevor wir aus dem Team der Debatte zur Meinungsfreiheit uns ein Urteil über die guyanische Regierung bilden, sollten wir uns unsere eigenen Bräuche etwas näher anschauen. Studentinnen und Studenten,

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *